Produktionsbericht von Kerstin

Produktionsbericht von Kerstin Kaiser - Programmlektorin


Als ich vor sechs Jahren bei Lübbe Audio anfing, erzählte mir Marc Sieper (Leiter Lübbe Audio), dass er gerne „Der Wüstenplanet“ als Hörbuch herausbringen möchte. Mir sagte das Buch damals gar nichts, da ich bis dahin noch nicht mit Science Fiction in Berührung gekommen war. Der Einkauf der Hörbuchlizenzrechte gestaltete sich jedoch viel schwieriger als vermutet, so dass wir erst im vergangenen Jahr (2007) mit der Planung der Hörbuchausgabe beginnen konnten. Wir wollen die Abstände zwischen den einzelnen Bänden (sechs insgesamt) so knapp wie möglich halten, was in der Verlagslandschaft ein Erscheinungsrhythmus von jeweils einem halben Jahr bedeutet. August 2008 – im Hochsommer also – war für uns der perfekte Monat für den ersten, den bekanntesten Teil von „Dune“. Im Zuge der Planung gingen uns zahlreiche Besetzungsideen durch die Köpfe, da wir den ersten Teil mit drei Stimmen besetzen wollten. Für uns war es nur ein logischer Schluss Jürgen Prochnow, der in der Verfilmung den Leto Atreides verkörpert hat, anzufragen. Er hatte bis dahin nur an einem Gedichtprojekt teilgenommen und hatte somit noch keinerlei Hörbuchleseerfahrungen. Umso mehr haben wir uns über seine rasche Zusage gefreut.  Simon Jäger war für uns der Wunschsprecher für den Großteil des Textes von Band 1 und für die Bände 2 bis 6. Seine sehr variable und sehr angenehm hörbare Stimme ist dazu in der Lage, lange Texte zu tragen. Für die Kapiteleinführungstexte von Prinzessin Irulan haben wir eine außergewöhnliche Frauenstimme gesucht. Eine Anfrage an Nina Hagen war anfänglich erfolgreich, die Aufnahme konnte dann aber leider nicht umgesetzt werden, so dass wir adäquat umbesetzen mussten. Mit Marianne Rosenberg haben wir das m.E. auch geschafft.

Im Herbst 2007 habe ich damit begonnen, mich intensiv mit „Der Wüstenplanet“ auseinanderzusetzen. Ich habe sehr rasch verstanden, weshalb Millionen von Buchkäufern von dem Text begeistern sind, weshalb dieses Buch DAS Standardwerk des Science Fiction ist. Ich habe aber auch gesehen, dass es sehr schwer sein wird, den Fans gerecht zu werden und das Hörbuch so aufzunehmen, dass diese begeistert sind. Als besondere Herausforderung habe ich die extrem zahlreichen besonderen sowie ungewöhnlichen Namen, Worte und sogar Sätze gesehen. Beim ersten Lesen habe ich diese rausgeschrieben und eine alphabetische Liste (insgesamt elf Seiten) zusammengestellt und sprechen lassen. Die vier daraus entstandenen Aussprache-CDs wurden die Grundlage für die Produktion und waren die beste Orientierungshilfe für die Sprecher bei der Textvorbereitung.

Der nächste Schritt war die Textaufteilung für die Sprecher. Ich wusste, dass Simon Jäger die Nachfolgebände lesen sollte. Somit hat er die Rolle des Paul Atreides zugeteilt bekommen. Jürgen Prochnow sollte im logischen Schluss die Kapitel der Harkonnen lesen. Da fast jedes Kapitel entweder aus der Sicht der Atreides bzw. der Harkonnen geschrieben war, war die Verteilung leicht. Problematisch wurde es bei den Kapiteln, in denen die Protagonisten aufeinandertreffen. Ich habe nach langem Überlegen das jeweilige Kapitel von dem lesen lassen, der „die Oberhand“ am Ende des Kapitels hat, der die Handlung führt. Zu Beginn sind es die Harkonnen, am Ende die Atreides – d.h. zu Beginn liest Jürgen Prochnow die „Mixkapitel“, am Ende Simon Jäger. Jedes Kapitel wird eröffnet mit einem kurzen Text der Prinzessin Irulan, gelesen von Marianne Rosenberg.

Im Februar 2008 habe ich mit Simon Jäger eine Woche in einem Studio im Sauerland gearbeitet und wir haben den ersten großen Teil (19 CDs) von „Der Wüstenplanet“ aufgenommen. Wir haben sehr genau darauf geachtet, dass jedes Mal alle Namen gleich ausgesprochen wurden. Dazu mussten wir immer wieder in die anfangs erstellte Liste und die Aussprache-CDs reinhören. Simon Jägers reiche Erfahrungen als Sprecher und seiner unglaublichen Disziplin sind es zu verdanken, dass wir den großen vor uns liegenden Papierberg so rasch aufgenommen haben. Als Hauptsprecher und als der, der zuerst aufgenommen wurde, hatte er die Möglichkeit, die Figuren anzulegen. Mit den verschiedenen Stimmen hat er die Charaktere sehr gut getroffen.

Parallel zu dieser Aufnahme habe ich einen Termin mit Jürgen Prochnow gesucht. Wir wollten in seiner Wahlheimat Los Angeles aufnehmen, damit er sich während der Produktion wohlfühlt. Von der Terminfindung bis zu dem Termin hatten wir dann jedoch nur noch drei Wochen Zeit, um ein Studio zu finden, das bereits Erfahrungen mit reinen Sprachaufnahmen hatte. Auf seine Empfehlung hin haben wir das Studio „Margarita Mix“ in Santa Monica gefunden und dort vier Aufnahmetage gebucht. Flug und Hotel waren rasch gefunden und gebucht.

Am 6. April 2008 ging meine Reise nach LA los und am nächsten Tag, einem Montag, haben wir mit der Aufnahme von viereinhalb CDs begonnen. Nach einigem Suchen habe ich das Studio gefunden, Herr Prochnow war bereits vor Ort. Nach einem kurzen Vorgespräch hat Jeff, der Tontechniker, mit dem Pegeln begonnen und wir mit der Aufnahme. Jürgen Prochnow war exzellent vorbereitet, er hat gelesen, als ob es sein x-tes und nicht sein erstes Hörbuch war. Nebenbei haben wir immer wieder die Aussprache der Namen überprüft, damit diese auf dem gesamten Hörbuch gleich ausgesprochen sind. Bereits nach dem ersten Aufnahmetag war absehbar, dass wir die angesetzten vier Aufnahmetage nicht benötigen. Nach zweieinhalb Tagen konzentrierter Arbeit hat Herr Prochnow den letzten Satz seines Parts eingelesen. Und ich wusste bereits zu diesem Zeitpunkt, dass die beiden Hauptstimmen – Simon Jäger und Jürgen Prochnow – perfekt zusammenpassen. Ich hatte bereits den Zusammenschnitt im Ohr.

Nun blieb nur noch die Suche nach einer geeigneten Frauenstimme für die Rolle der Prinzessin Irulan – für eine halbe CD. Leider ist der Kontakt zu der anfänglich angefragten Nina Hagen abgebrochen, so dass ein rasches Handeln notwendig war. Zuerst haben wir uns Gedanken um eine adäquate Umbesetzung gemacht und es sind etliche Namen von Wunschkandidatinnen umhergeschwirrt. Erste Anfragen sind rausgegangen, gefolgt vom Warten auf die Antworten. Leider kamen erste Absagen rasch. Die Zeit wurde immer knapper …

Parallel habe ich die Booklettexte vorbereitet, wir haben über die Verpackung, die Veredelung der Schuber beraten. Doch noch war die Besetzung der weiblichen Stimme offen … Nervosität machte sich langsam breit. Und dann, kurz vor der absoluten Deadline Ende Juni, kam die erlösende Zusage vom Management von Marianne Rosenberg! Die kurzen Introtexte waren rasch verschickt und ein Termin für die kommenden Tage ausgemacht. Am 26. Juni 2008 habe ich mich dann mit Marianne Rosenberg in unserem Berliner Studio getroffen. Nach einer ausgiebigen Vorbesprechung – auch für Frau Rosenberg war es bis auf eine Hörbuchveröffentlichung Ihres Lebens die erste Hörbuchlesung – haben wir mit der Aufnahme begonnen. Leider ging es Frau Rosenberg nach einer Weile gesundheitlich nicht sehr gut und wir mussten die Aufnahme abbrechen. Wieder Panik, die Deadline war gnadenlos … Zum Glück hatte sich Frau Rosenberg nach drei Tagen wieder so gefangen, dass die letzten sieben Seiten aufgenommen werden konnten. Ihre Interpretation war hervorragend und ihre Stimme viel tiefer, als ich aufgrund ihrer Gesangsstimme vermutet habe. Diese Aufnahme der letzten Seiten, sprich der letzten Introtexte, wurde sofort per Mail in das Studio geschickt, das für den Schnitt und das Mastering verantwortlich war. Es wurde umgehend geschnitten und montiert. Die Musik, die extra für diese Hörbuchproduktion von Dicky Hank komponiert wurde, war bereits eingefügt. Bereits am Abend liefen die ersten Master dieses riesigen Werkes durch, wurden an die Kontrollhörer verschickt, das Presswerk stand bereits in den Startlöchern.

Zwei Tage später habe ich im Studio nachgefragt, wie die drei Stimmen, die in ihrer Kombination doch sehr einmalig und neu auf dem Hörbuchmarkt sind, zusammen klingen. Und ich habe ein positives Feedback bekommen. In dem Moment habe ich gedacht: Puh! Geschafft! Jetzt ist mein „Baby“ erwachsen und kann bald alleine laufen. Mögen viele, viele Hörer Freude daran haben, mögen viele, viele DUNE-Fans zufrieden sein! Einen Tag, nachdem das letzte Wort von Marianne Rosenberg gesprochen war, habe ich mit der Aufnahme des zweiten Teils „Der Herr des Wüstenplaneten“ begonnen. Dieser zweite Teil wird im Februar 2009 erscheinen.